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Gustav Borchert - Noch ein "Heldentod"

Gustav Borchert (1902 - 1945)

Gustav Borchert, war mein Großonkel, Bruder meiner Großmutter Martha Lörzer, geb Borchert (1910-2004). Er war seit seinem Eintritt in die Luftwaffe Flugzeugführer gewesen. Polen, Frankreich und die Angriffe der Luftwaffe auf England hatte er als Flugzeugführer einer „Heinkel He 111“ mitgemacht, bevor es 1941 nach Rußland ging. Zu seinen Einsätzen gehörten Flüge in den Kessel von Stalingrad zur eingeschlossenen 6. Armee. Gustav Borchert gehörte zu den Flugzeugführern, die bis zur letzten Möglichkeit in den Kessel einflogen.

Dass der 2. Weltkrieg in meiner Familie viele Opfer gefordert und viele tragische Schicksale bedeutet hat, ist nach Durchsicht dieser Seiten leider sehr klar ... .

Und die nachfolgende Schilderung ist daher nur ein weiteres Beispiel für die Sinnlosigkeit des Krieges. Es betrifft meinen Großonkel Gustav Borchert, aus der Familie meiner Großmutter (Martha Lörzer, geb. Borchert). Gustav Bochert war ihr Bruder und er ist nur 27 Jahre alt geworden.

Über seinen Tod - sein Flugzeug wurde 30.07.1943 über der sogenannten Mius-Front, einer stark befestigten Verteidigungslinie der Deutschen, abgeschossen - gibt es einen detallierten Brief seines Vorgesetzen (mit Namen "Sitterlich", zu dem ich bisher keine weitere Infos finden konnte) an Karl Emil Borchert, den Vater (mein Urgroßvater).

Hier zunächst der Brief im Wortlaut - anschliessend die drei Seiten des Briefes als Faksimile.

Im Osten, 7.8.1943.


Sehr geehrter Herr Borchert!
Durch das Flugplatzkommando Lustenau habe ich Sie von dem tragischen Geschick Ihres Sohnes Gustav in Kenntnis setzen lassen. Ich möchte Ihnen nun heute von dem traurigen Ereignis ganz sachlich und wahrheitsgetreu nähere Mitteilungen machen.

Am 30.7. frühmorgens startete Ihr Sohn als Flugzeugführer mit dem Beobachter Uffz. Amann, dem Bordfunker Uffz. Petschko, dem Bordschützen Uffz. Meyer und dem 2. Bordschützen Obgefr. Weltzke zu einem Einsatz zur Unterstützung des Heeres in ihrer schweren Abwehrkämpfe an der Miusfront. Wir flogen einen Verband mit 9 Flugzeugen. Den Verband führte ich selbst. Über dem Zielraum erhielt das Flugzeug Ihres Sohnes einen Flak-Volltreffer, worauf das Flugzeug zunächst noch ein Stück weiterflog und dann brennend abstürzte. Der Beobachter, Bordfunker und 1. Bordschütze konnten sich durch Fallschirmabsprung retten, während Ihr Sohn und der Obgefr. Weltzke dabei den Fliegertod fanden.

Ihr Sohn ist mit allen militärischen Ehren auf dem Heldenfriedhof in Maniilaro im Miusabschnitt beerdigt worden. Sehr geehrter Herr Borchert, Sie können mir glauben, wenn jemand Ihren Schmerz richtig verstehen kann, dann bin ich es. Ich kenne nun Ihren Sohn schon über ein Jahr. Wir waren bereits voriges Jahr in Schwerin bei derselben Einheit. Ein vorbildlicher Soldat, herzensguter Kamerad, tadelloser Flugzeugführer mit einwandfreiem Charakter, der die Ehrlichkeit und Offenheit liebte, so wird er mir ewig in Erinnerung bleiben. Auch die Staffel vermisst Ihren Sohn sehr, da er wahrhaftig der gesamten Staffel ein Vorbild an Einsatzfreude und Diensteifer gab.

Sehr geehrter Herr Borchert, das Geschick Ihres Sohnes ist umso tragischer, da er trotz der augenblicklich herrschenden erhöhten Einsatzbereitschaft diese Woche auf Urlaub nach Hause gehen sollte. Diesen Urlaub hatte er sich ja nach so langer Zeit ehrlich verdient. Leider hat ihn nun das Schicksal ereilt. Ihr Sohn ruht, gefallen für Volk und Vaterland, in fremder Erde, unvergessen von all seinen Kameraden, geehrt und geachtet für alle Zeit.

Sie, sehr geehrter Herr Borchert, haben Ihren Sohn verloren. Das ist sehr schwer. Aber seien Sie versichert, Ihr Sohn hat ein Leben gelebt, das soldatischer und vorbildlicher nicht sein konnte, ein Leben voll. Pflichterfüllung und Opferbereitschaft. Die ganze Staffel trauert mit Ihnen und wird Ihren Sohn niemals vergessen! Mit der Bitte um eine Empfehlung an Ihre Frau Gemahlin bin ich

Ihr ergebener
Sitterlich.