Blick in die Vergangenheit - Scannen von Bildern
Über die technischen Aspekte der Digitalisisierung
Es gibt immer wieder Nerds, die sich auf meine Seite "verirren" - gerne berichte ich hier, wie ich Fotos, insbesondere Negative, digitalisiere. Das kann nämlich, wenn man nicht allzu viel Geld investieren möchte, ganz schön viel Zeit und Aufwand bedeuten ... .
Neben der Erzählungen und Aufzeichnungen von Zeitzeugen sind natürlich Medien wie Fotos, Dokumente und Videos am wichtigsten für eine Ahnendokumentation. Diese Medien enthalten nicht nur Informationen - mit dem Digitalsisieren konserviert man auch einen Zustand eines Mediums, denn der Zahn der Zeit nagt unweigerlich an Papier und Zelluloid.
Speziell beim Digitalisieren von Fotos und insbesondere von Negativen gibt es verschiedene technische Ansätze. Da ich derzeit dabei bin, mehrere hundert Negative zu digitialisieren, möchte ich hier von diesen technischen Ansätzen berichten - das ist nämlich sehr vielfältig und es lauern eine Menge Fallstricke bei diesem Vorhaben.
Vor einige Jahren hatte ich mir einen Scanner zugelegt, der eine Durchlichteinheit im Deckel hat. Damit kann man Negative scannen, die man in eine spezielle Halterung einlegt. Im Deckel ist eine Belichtung eingebaut, die das Negativ "durchleuchtet". Die Software des Scanners erkennt außerdem die Abgrenzung der Bilder bei einem Negativstreifen und invertiert das Negativ automatisch in ein Positiv. Außerdem können beim Scannen in einem gewissen Umfang Fehler korrigiert werden: Farbnormalisierungen, Staub entfernen etc.
Was ich bei der Anschaffung nicht verstanden hatte, waren die Spezifikationen der verschiedenen Scanner-Modelle. Modelle mit einer höheren Nummer in der Bezeichnung und mit einem sehr viel höheren Preis, haben keine Spezifikation, die sich von den anderen maßgeblich unterschieden hat. Ich habe mich immer gefragt, worin der Unterschied der Modelle besteht. Als ich dann recherchiert habe, welche Negative mein Scanner verarbeiten kann und welche Verarbeitung ich benötige, war der massive Unterschied der Modelle klar: Wenn man einfache Negative und Dias in Standardformaten scannen möchte, reicht der "einfache" Scanner völlig. Braucht man aber eine möglichst große Flexibilität, also z.B. eine wesentlich größere Durchlichteinheit für größere Negative oder ganz spezielle Formate, dann kommt man mit dem Standardscanner nicht weiter. Man muss auch immer Bedenken, dass ja auch die Software mit all den Formaten umgehen können muß - das ist sowieso ein ganz wichtiger Gesichtspunkt: je besser die Software, desto einfacher die Nachbarbeitung der Scans.
Da ich mir keinen neuen Scanner im vierstelligen Bereich kaufen wollte, habe ich nach anderen Lösungen gesucht. Ich muß auch dazu sagen, dass ich zwar viele verschiedene Negative einscannen möchte, aber die große Masse waren Standards, die ich mit meinem einfachen Scanner handhaben konnte. Kosten und Nutzen müssen sich hier die Waage halten. Außerdem lagen die Probleme ganz woanders - dazu gleich mehr.
Ich habe mich dann für die speziellen Formate für eine einfache Lösung entschieden, die mich in ihrer Qualität sehr überrascht hat. Ich habe mir einen kleinen, flexiblen Durchlichttisch gekauft, der eine sehr flexible Halterung für ein Smartphone hat und verschiedene Einschubhalterungen für verschiedene Negative hat. Das Smartphone wird über den Leuchttisch "eingespannt" und die Halterungen mit dem eingelegten Negativ wird unter der Kamera des Smartphones verschoben. Wer sich nun die berechtigte Frage stellt, wie man Verwackelungen vermeiden kann, die ja beim Auslösen des Bildes zwangsläufig entstehen - es gibt eine kleine "Fernbedienung", mit der man das Auslösen des Fotos starten kann, ohne das Smartphone berühren zu müssen.
Ich war natürlich neugierig und habe die Scans mit dieser Lösungs mit Scans aus dem Flachbettscanner mit Durchlichteinheit verglichen. Ich habe dabei keinen signifikanten Qualitätsunterschied bemerkt, zumal ich im Smartphone eine hohe Auflösung gewählt habe. Der große Vorteil dieser Lösung mit dem kleinen flexiblen Leuchttisch ist jedoch die Geschwindigkeit. Man stellt einmal im Smartphone alles passend ein und schiebt die Negativserie unter dem Smartphone durch. Ein Streifen mit acht Bildern ist in wenigen Sekunden fertig - der Scanner würde hier bei angemessener DPI viele Minuten benötigen. Hier muss man aber noch erwähnen, dass die hochwertigen Scanner hier sehr viel schneller arbeiten. Auch eine der unsichtbaren Spezifikationen der teueren Scanner.
Jetzt stellt sich noch die Frage, ob man für das Scannen eine bestimmte APP benötigt. Es gibt passende APPs, die das Invertieren übernehmen und diverse Funktionen versprechen. Diese APP soll dann die Funktionen der Scansoftware eines Scanner zum Teil übernehmen. Ich möchte diese APPs - von denen einige durchaus vielversprechend sind - gar nicht im Details bewerten, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder einzelne Scan eh nachbearbeitet werden muss. Es gibt immer Feinheiten, z.B. beim Zuschneiden der Bilder, die man sich genau anschauen muss. Das bedeutet, dass ich mit der ganz normalen Kamera APP in hoher Auflösung das Negativ als Negativ scanne. Ich nutze also keine der vielen APPs.
Wie erfolgt dann aber die Nachbearbeitung? Braucht man dafür teuere Software? Meiner Meinung nach nicht ...
XnView ist ein Bildverwalter, der viele Stapelverarbeitungen zulässt - man kann in einem Arbeitsschritt alle Bilder eines Verzeichnisses invertieren und die Farben normalisieren. Anschliessend geht man alle Bilder einzeln durch und macht die Drehungen und das Zuschneiden, ebenfalls in dieser Software. Wenn man für diesen Teil der Bearbeitung passende Tastaturkürzel definiert, dann geht das auch bei vielen Fotos sehr schnell. XnView ist für den nicht kommerziellen Bereich kostenfrei.
![]() Stapelverarbeitung mit XnView |
![]() Externe Editoren in XnView (Nik Collection). |
Interessanter wird es aber bei gezielten Nachbearbeitung. Hier muss man zwei Nachbearbeitungen unterscheiden - die Optimierungen der Farben oder s/w Kontraste. Und zum anderen die Schärfe der Bilder. Dafür lassen sich externe Editoren in XnView einbinden. Ich schwöre auf die "Nik-Collection". Das ist eine Sammlung von Bearbeitungstools, die als Plugins für Photoshop aber auch als selbständige Programme arbeiten. Diese "Nik-Collection" ist sehr teuer, aber es vor Jahren waren die Tools von Google lizenziert und Google hat diese Software kostenfrei angeboten. Am besten mal recherchieren, wo sich diese freie Version noch beziehen lässt.
Die Farben zu optimieren ist relativ einfach. Durch die Pre-Sets z.B. bei "Silver Efex" findet man schnell die passende Justierung, um ein s/w Bild richtig in Szene zu setzen. Mit "HDR Efex" findet man sehr schnell die passenden Korrekturen für vergilbte Farben.
![]() Silver Efex für s/w Fotos |
![]() HDR Efex für Farbfotos |
Sehr viel schwieriger ist es jedoch, die Schärfe zu verbessern. Und damit sind wir auch beim dem größten Problem beim Scannen der Negative. Viele meiner Negative hatten sich von "allein aufgerollt". D.h. beim Einlegen in die Halterungen sind die Bilder leicht gewölbt. Es ist daher oft unmöglich zu entscheiden, ob ein Bild deswegen unscharf ist, weil es schon unscharf aufgenommen wurde (was bei alten Fotos wirklich sehr häufig der Fall ist) oder ob diese Wölbung für eine Unschäfte verantwortlich ist. Das ist immer dann schwer zu beantworten, wenn offensichlich nur Teile eines Bildes unscharf sind.
Dieses Thema ist jedoch so speziell, dass ich dazu mal einen eigenen Artikel schreiben werde. Ich bin derzeit dabei, verschiedene Programme inkl. KI zu testen. Bisher mit mäßigem Erfolg. Fakt ist in jedem Fall - und das betrifft diese manuelle Smartphonelösung, wie auch den Scan in einer Durchlichteinheit - dass es keine zufriedenstellende, einfache Lösung gibt, um Negative wieder gerade zu bekommen und die Wölbung zu entfernen. Es gibt Konzepte mit speziellem Glas für den Scan oder auch Flüssigkeiten. Aber dazu demnächst mehr ... .





