NSDAP Mitgliedschaften in der Familie
Zur richtigen Einordung der eigenen Familiengeschichte gehört auch die Auseinandersetzung mit den dunklen Jahren der Deutschen Geschichte und welche Rolle Familienmitglieder dort gespielt haben. Hier auf den Seiten der Ahnendokumentation gibt es schon einige Seiten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Zum Beispiel die Seiten zu den "berühmten" Lörzer Brüdern Bruno und Fritz Lörzer, aber auch die Dokumentation des Briefwechsels zwischen meinem Vater und seinem Halbbruder Werner, welcher ziemliches übles Gedankengut offenbart.
Mich hat aber vor allem auch interessiert, welche Personen Mitglied der NSDAP waren. Ich sage direkt vorab, dass ich die Mitgliedschaft in der NSDAP nicht als zwangsläufiges Indiz einer überzeugten nationalsozialistischen Gesinnung deute - viele sind in die Partei eingetreten, weil es ihr Berufsstand verlangte. Und eine solche Mitgliedschaft deutet daher vielleicht wirklich nur auf Mitläufertum hin. Interessant ist dabei dann der Zeitpunkt des Eintritts.
Um das herauszufinden gab es bisher nur die Möglichkeit, einen Rechercheantrag beim Bundesarchiv in Koblenz zu stellen. Das habe ich gemacht und einen Antrag im PDF Format zurückbekommen, mit dem Hinweis, dass jede angefangene Recherche-Viertelstunde mit 5,- EUR abgerechnet wird. Man kann einen Höchstbetrag bestimmen. Es gibt keine Möglichkeit, selbst online zu recherchieren. Allerdings scheint sich diese Recherche nicht auf die Partei-Mitgliedschaft zu beschränken - die Recherche kann tiefer gehen, bleibt aber im Ermessensbereich einer fremden Person. Eine persönliche Recherche ist vor Ort anders organisiert. Da Koblenz nicht so weit entfernt ist von Troisdorf, werde ich mir das vielleicht einmal anschauen - habe das meine "ToDo"-Liste hinzugefügt. Außerdem wichtig: die Verordnungen für die Weiterverarbeitung vonM Meiden - also darf man recherchierte Fakten z.B. als Screenshots auf der eigenen Seite anzeigen - scheinen sehr bürokratisch zu sein. Bei noch lebenden Personen oder sehr brisanten Enthüllungen mag das ja auch nachvollziehbar sein.
Im März 2026 machten aber verschiedene Artikel in verschiedenen Medien (SPIEGEL.DE, BR) die Runde, in denen berichtet wurde, dass das "National Archive" in den USA die Mitglieder-Kartei der NSDAP öffentlich zugänglich gemacht hat. Ohne Login, ohne Kosten. Meine ersten Versuche, dort Daten abzurufen, liefen ins Leere. Dann aber - mein Cousin Michael hatte mich zwischenzeitlich ebenfalls darauf aufmerksam gemacht - schienen die Server nicht mehr so überlastet zu sein und ich konnte mit einer einfachen Namenssuche das Konvolut an Daten abrufen. Konvolut bedeutet, dass man nicht ein einzelnes Dokument erhält, sondern auf mehrere tausend Seiten eines Mikro-Film Archivs verwiesen wird, wo dann möglicherweise Details zu dem gesuchten Namen drinstecken. Mein Tipp: man kann dieses gesamte Konvolut als eine PDF Datei herunterladen. Die ist zwar jeweils mehrere hundert Megabyte groß, aber die lässt sich dann in einem schnellen PDF Reader (da empfehle ich den simplen, aber sehr effizienten Reader von PDF24) auf dem lokalen Rechner durchsuchen.
Ich habe nach verschiedenen in meiner Ahnendokumentation auftauchenden Namen gesucht. Natürlich zuerst Killert/Killat, Lörzer, Wiemer und Borchert. Und ich habe sehr viele Treffer gefunden.
Da sind zunächst die Mitgliedschaften meiner Großeltern Annike und Franz Killert. Die sind beide an demselben Tag eingetreten und haben direkt aufeinanderfolgende Mitgliedsnummern. Sehr interessant: auch in dieser Mitgliederkartei ist die Namensänderung von "Killat" zu "Killert" handschriftlich dokumentiert. Der alte Name wurde einfach durchgestrichen und mit dem neuen Namen ersetzt - so war das auch beim Wehrpass von Franz Killat. Interessant ist auch wieder, dass meine Großmutter hier als "Anna" Killert aufgeführt ist (wie auch in ihrer Todesanzeige) obwohl der korrekte Name "Annike" ist.
![]() Mitgliedskarte Annike Killert |
![]() Mitgliedskarte Franz Killert |
Dann gibt es eine Mitgliedskarte von Gustav Lörzer, meinem Großvater väterlicherseits. Aber nicht nur von ihm. Auch zwei seiner Brüder und eine seiner Schwestern (Erika Lörzer) waren Parteimitglieder. Zu der Motivation von Erika Lörzer kann ich nichts sagen. Ihre Mitgliedschaft hat mich überrascht. Bei den Lörzer Brüdern würde ich eine pragmatische Motivation annehmen. Ab 1939 war eine Karriere in der Wehrmacht und ein Vorankommen in der Hierarchie (gleichbedeutend mit mehr Geld und Wohlstand und damit mehr Möglichkeiten für eine große Familie) nur schwer ohne Partei Mitgliedschaft möglich. Das gilt in noch stärkerem Umfang für Beamte. Das Deutsche Beamtengesetz vom Januar 1937 formuliert die Erwartung einer Partei-Mitgliedschaft explizit. Gustav Lörzer war,bevor er kurz vor Kriegsbeginn als Reservist eingezogen wurde, Finanzbeamter ... .
![]() Mitgliedskarte Gustav Lörzer |
![]() Mitgliedskarte Erika Lörzer |
![]() Mitgliedskarte Otto Lörzer |
![]() Mitgliedskarte Paul Lörzer |
Eine ähnliche Motivation würde ich bei den Mitgliedschaften Georg Wiemer und seinem Sohn Erwin unterstellen. Georg Wiemer war Zollbeamter und Erwin Wiemer Zollinspektor, mit Kriegsbeginn dann Leutnant in der Wehrmacht. Bei der Mitgliedskarte von Erwin Wiemer sind mir die wechselden Wohnorte aufgefallen, mit der sich ein wenig die Biografie geografisch nachzeichnen lässt.
![]() Mitgliedskarte Georg Wiemer |
![]() Mitgliedskarte Erwin Wiemer |
Ich möchte nochmal betonen, dass ich diese Mitgliedschaften als "allwissender Nachgeborener" moralisch überhaupt nicht bewerten will. Wer weiß, wie opportun ich mich selbst damals verhalten hätte. Bei meinen Großeltern väterlicherseits bin ich da etwas skeptischer. Mein Vater hat mir mehrfach erzählt, dass seine Mutter eine überzeugte Nationalsozialistin gewesen sei. Und wenn ich die Briefe des Halbbruders meines Vaters lese, dann muss ich mich fragen, woher diese Geisteshaltung gekommen sein mag. Aber für eine abschliessende Einordnung sind diese Mitgliedskarten keine ausreichende Grundlage. Dazu bräuchte es in Zukunft noch weitere Recherche. Diese Mitgliedschaften in der NSDAP sind nur ein kleiner Bestandteil dieser Recherche.







