Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 02
Datum: 05.09.1944 [1]
Ort: Rauschen [2], Düne
Mein liebes Puttichen!
Nun sind wir glücklich in den endgültigen Unterkünften gelandet. Für
wie lange es ist, weiß ich nicht. Zeit wäre es, dass wir endlich zum
Arbeiten kommen, denn in der letzten Woche ist alles liegen geblieben.
Wir bewohnen 2 Baracken dicht an der Ostsee oben auf einer Höhe. Wie ich
schon schrieb, war es früher ein Erholungsheim für
Luftwaffenhelferinnen. Ringsum Stacheldraht. Von dort aus gleich abwärts
führend, eine Treppe mit ca. 200 Stufen direkt zur See. Es ist schade,
dass es jetzt immer kühles Wetter ist. Die meisten baden wohl, aber ich
habe mir gleich einen etwas stärkeren Husten geholt. In der Baracke der
Männer wohnen und schlafen wir gleichzeitig in unseren Räumen. Mit
„wohnen" meine ich auch gleichzeitig arbeiten. Außerdem sind in der
Baracke die Küche und der Aufenthaltsraum mit Veranda. Die Schreibkräfte
schlafen in der anderen Baracke, in der sich gleichzeitig eine Flugwache
befindet und in der ein Feldwebel mit 5 Kindern wohnt. Zum Mittagessen
gehen wir immer zum Frauenwerk (?) das heißt, wo wir bisher gewohnt
haben. Morgen wird Telefon gelegt, vielleicht kann ich dann einmal
öfters anrufen.
Wie geht es dir, mein Frauchen! Du bist doch wohlauf? Nur gut, dass ihr
jetzt nicht zu sehr unter Flugangriffen zu leiden habt. Sind vom
Arbeitsamt schon noch weitere Frauen und Mädchen herangeholt worden? Was
machen die Frauen bei Czogalla? Wie führt sich Halina[3], ist sie noch
immer einigermaßen fleißig und ordentlich? Sonst werde ich sie, wenn ich
mal nach Hause komme, etwas zusammenstauchen. Ich denke, dass sich
später hin und wieder Gelegenheit zu einem „Abstecher" nach Neuhausen
bieten wird.
Einige Kleinigkeiten, die ich vergessen habe, muss ich mir dann noch
mitnehmen (Sockenhalter, Zahnpasta, Umschläge usw.) Doch für heute
genug. Herzlichen Gruß euch allen, Dir aber, mein Frauchen, einen
herzlichen Kuss von
Deinem Gustav