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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 07

Datum: 25. Oktober 1944
Ort: Nicht bekannt

Mein liebes gutes Frauchen!

Wieder greife ich zur Feder, um an Dich zu schreiben. Für den heutigen Brief vielen Dank. Es freut mich immer wieder, wenn du, liebes Puttichen, so lieb von mir sprichst. Und möchte dann sonst was tun, könnte ich Dir einen Teil Deiner Sorgen abnehmen. Kannst Du Dir das nicht vor­stellen, dass man als Mann manchmal in Zorn geraten kann und dann am liebsten an die Front gehen möchte, um mitzuhelfen im Kampf gegen den Iwan? Aber ich schreibe nur so, habe keine Bange, ich mache Dir da schon keinen Kummer. Wahrscheinlich wird es mit der Fliegerhorst­kommandantur Heiligenbeil für mich klappen.

Heute ist den ganzen Tag Kanonendonner zu hören, wahrscheinlich aus der Gegend Memel, Tilsit. Gar nicht auszudenken, wenn der Iwan unser ganzes schönes Ostpreußen vernichten sollte. Wo wohl unsere Angehörigen stecken mögen? Ich will über Fliegerhorst Insterburg einmal über Wiemers etwas zu erfahren versuchen. Am Sonntag oder Montag werde ich auch noch einmal nach Neuhausen fahren und Kleiderschrank und Keller ausräumen. Ob ich vorher anrufe, dass Frau P. (?) noch ein paar Hähnchen abschlachtet? Wie könnte ich die wohl zu euch hin bekom­men?

Schade, dass ich keine Schlüssel zu den anderen Schränken und zum Büfett und Schreibtisch habe, man würde da doch manches Mitnehmbare finden.

Dass unsere kleine Maus so krank ist und Sehnsucht nach Hause hat, das tut mir so leid. Grüße sie schön von Papi und sie soll immer recht lieb zur Mutti sein, dann freue ich mich. Ein Küsschen schenke ich ihr. Allmählich werdet ihr euch schon einleben. Wenn erst noch der Herd da ist, dann wird's schon werden. Auch Deine schwere Stunde wird vorübergehen, mein liebes Mutti­chen und wir werden uns über das Kleine genauso freuen, wie über die anderen Kinder. Morgen schicke ich ein Paket mit Schreibzeug für die Kinder und ein paar Kleinigkeiten ab, hoffe doch, dass es ankommen wird. Meine Stiefel habe ich auch schon abgeholt, sie sind tadellos mit dicken Sohlen und breitem Absatz gemacht, kosteten 50 RM. Der Fuß ist ganz bequem, so dass ich nur noch diese Stiefel trage. Auch die anderen Stiefel sind neu besohlt.

Unsere Akten und sonstige Sachen sind alle nach Landsberg an der Warthe abgegangen. Wir wursteln nun hier so weiter und können zunächst nicht verlegen, weil überall in Pommern usw. alles belegt ist. Hoffen wir, dass es auch ohne Verlegung bis zum Einsatz von V2 + 3 reicht.

Mein liebes Muttichen, ich grüße Dich herzlichst. In Gedanken (leider nur) schließe ich Dich in meine Arme und schenke Dir einen herzlichen Kuss.

Grüße die Kinder und Familie Mahnke von mir.

Dein Gustav

Fussnoten