Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 10a
Datum: Nicht bekannt [1]
Ort: Nicht bekannt
Mein liebes Frauchen!
Du wirst gewiss in den beiden letzten Tagen vergeblich auf Post von mir
gewartet haben. Entschuldige schon, mein Puttichen, das hängt damit
zusammen, dass ich in den nächsten Tagen nach Heiligenbeil umsiedle und
dass ich außerdem gestern in Neuhausen war. Ja, nun ist es so weit. Ich
werde in Heiligenbeil Leiter der Gruppe Verwaltung und hoffe, meine
Sache so zu machen, dass man mit mir zufrieden ist. Die nächste Post
kannst Du also schon zum Fliegerhorst Heiligenbeil senden. In Neuhausen
fand ich nur noch 9 Küken vor, die anderen sind angeblich spurlos
verschwunden. Nun habe ich 5 abschlachten lassen und schicke Dir 3
davon. Wenn sie nur heil ankommen würden. 2 muss ich nun schon
notgedrungen hier zum Abfüttern lassen, weil ich doch zum Abschied
keinen Schnaps habe. Jetzt werden ja wohl Langankes in der Wohnung sein.
Die werden wir beauftragen, die Letzten zu schlachten, wenn es uns
passt. Schreibst ihnen, wann sie sie schicken sollen. Gabelmann will
nun, als er hört, dass Verwandte in die Wohnung ziehen, schleunigst
ausziehen. Nach einem gestrigen Anruf der Fliegerhorstkommandantur
Insterburg ist Erika mit knapper Not um Mitternacht entkommen und
irgendwo bei Nordenburg gelandet. Fehlt nur noch Gretel. Wo mag die
sein?
Nun, mein liebes Frauchen, grüße ich Dich herzlichst. Viele Küsse
Gustav
Grüße die Kinder von mir. Dorchen und Eddalein ein Küsschen.