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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 14

Datum: 11. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Puttichen!

Heute endlich habe ich Dich wieder einmal am Telefon sprechen können. Ich freue mich immer, wenn ich Deine liebe Stimme hören kann. Dann ist mir, als wäre ich endlich wieder zu Hause. Leider dauert es immer nur ein paar Minuten. Heute habe ich Dich wohl etwas zu sehr ausge­fragt von wegen umziehen, ich merkte das an Deinen Antworten. Ja, Muttilein, wenn Du zu gern weg möchtest, dann ist das wohl am besten so. Sonst aber glaube ich, dass ihr kaum etwas Besse­res finden werdet. Oder meinst Du ja? Von der Frau Bacher kannst Du dabei doch im Guten scheiden, der kann es doch kaum leidtun, sonst brauchte sie nicht eine so hohe Miete nehmen.

Gleich werde ich noch an den Bürgermeister in Neuhausen und an die Kreissparkasse schreiben. Die Bescheinigung füge ich gleich bei. Ich habe mich hier schon ganz gut eingelebt. Hier bin ich doch endlich wieder eine bestimmte Persönlichkeit, die auch etwas zu sagen hat und nicht so'ne Figur, mit der andere Schach spielen. Mein Vorgänger ist 3 Tage in Berlin als Kurier. Da kann ich so richtig wirtschaften. Wenn er morgen zurückkommt werde ich bald alles übernehmen und dann kann's losgehen. Habe mir schon viele Änderungen vorgenommen, besonders im Frühling, wenn draußen die Arbeiten losgehen, muss der Platzlandwirt mir viele Anlagen auf dem Horst in Ordnung bringen.

Heute kamen so manche neue Einheiten usw. an, da gibt es Arbeit in Masse, die jedoch Spaß macht. Auch Evakuierte sollen wir zu Hunderten unterbringen. Mit dem Kommandanten werde ich schon auskommen, es ist der Stiefvater von Frau Fischer, Neuhausen (v. Platen). Unser Ra­dio geht hier, wo ich eine Hochantenne habe, wie verrückt. Was mir hier fehlt, solange ich keine Quelle habe, das sind Zigaretten. Hast du nicht noch welche für mich?

Liebes Frauchen, ich grüße Dich herzlich und freue mich schon jetzt auf das Wiedersehen, wo ich mir alle Küsse in Natur holen kann. Wird das eine Freude sein, mein Puttichen.

Grüße auch die die Kinder, besonders Klein Edda

Gustav

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.