Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 22
Datum: 23. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Wieder einmal habe ich heute Post von Dir und Dorchen erhalten. Deine
lieben Zeilen erfreuen mich immer wieder und mir fehlt bestimmt viel,
wenn mal kein Brief von dir ankommt. Muttichen, liebes, wegen vieler
Sachen, die Du noch von Neuhausen haben möchtest, schreibe doch sofort
an Itel. Willi hat Zeit genug, um Dir Deine Wünsche zu erfüllen. Und so
viel hat er damit bestimmt nicht zu tun, ihm schadet es nichts, wenn er
Dir Pakete macht und zur Post geht. Er könnte Dir schon bald alles
nachgeschickt haben. Sei also nicht zaghaft. Georg ist übrigens von
Schwager Willi nicht sehr begeistert, und wem Georg nicht gefällt, da
ist schon was dabei. Besonders gefällt ihm wohl nicht, wie er Itel
behandelt und wie sie sich behandeln lässt. Na, das nur so nebenbei.
Vergiss nicht, alle Deine Wünsche hinzuschreiben. Hat Itel Dir übrigens
schon die Hühnchen geschickt? Die Kopfgrößen der Jungs brauche ich
sofort. Wahrscheinlich klappt es mit den Mützen. Ich kam darauf, weil
meine Skimütze gerade gestern fertig geworden ist. Die hat ein Soldat
einer anderen Einheit gemacht. Bezahlt nahm er nicht, weil der Stoff von
uns geliefert war. Nun habe ich ihm die 100 (Uman?), die du schicktest,
gegeben. Frau Sander, das ist hier die Bekleidungsverwalterin, die mit
dem Mann immer verhandelt, meint, er wird die Mützen machen, und Stoff
wird sie noch finden. Hier muss ich nur gleich schreiben, Puttichen,
liebes, dass Du nicht gleich wieder denken sollst: aha, eine Frau, na
wer weiß. Nein, Frauchen, wie Du schon in Deinem heutigen Brief
schreibst: Wir haben uns lieb und kannst ganz ruhig sein. Ich habe nur
mein Frauchen über alles lieb und denke an niemand anderes. Die Frau S.
ist übrigens so gut wie versprochen mit einem Regierungsrat vom
Wetterdienst hier, also längst vergeben. Es ist dann noch, um dir gleich
alles zu schildern, noch in meinem „Vorzimmer" so ein kleines Mädchen
von 20 Jahren mit ernsten Absichten an einem Soldaten. Und sonst die
anderen Männlein und Weiblein alle weniger oder mehr in der Nähe. Ein
Teil ist ja außerdem auf Außenstellen. Nur der (?) Ehlert ist dann noch
bei mir.
Weißt Du, mein liebes Frauchen, wenn man sich so draußen rumtreibt,
dann lässt einen auch alles so kalt. Mir könnten die alle sonst was, nur
mein Puttichen möchte ich einmal in die Arme nehmen und sie so recht von
Herzen abküssen. Das ist unser beider Wunsch, und doch kommen wir nicht
zusammen. Wollen wir alles nachholen, Puttilein, auch wenn wir noch
etwas warten müssen? Dann aber nehmen wir es für voll.
Ich sende Dir einen herzlichen Kuss, mein Frauchen.
Grüße die Mädchen und Jungs von mir.
Gustav