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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 23

Datum: 24. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Heute erhielt ich Deinen Brief vom 22. 11. Die Briefe gehen also immer 2 Tage. Es wundert mich, dass meine Briefe so unregelmäßig eintreffen. Jeden Abend schreibe ich den Brief und nehme ihn morgens zum Abstempeln und Absenden mit. Das muss wohl in der Hauptsache an der Post in Rummelsburg liegen. Gestern Abend hat die Luftgauverwaltung Brasins(?) Abschied und mei­nen Einzug gefeiert, da ist man doch etwas müde. Nachher geht es gleich ins Bett Ich bin dann immer gleich eingeschlafen. Meistens denke ich dann noch an mein Frauchen und wie schön es wäre, wenn sie auch hier wäre und wir uns innig liebhaben könnten. Aber noch habe ich nicht zu Ende gedacht, dann schlafe ich schon. Ich glaube, [etwas]{.underline} werde ich ganz und gar verlernen und ver­gessen. Ob's gut so ist, weil wir dann keine Angst mehr auszustehen brauchen? Na, mein Frau­chen wird schon später alles wieder in Ordnung bringen, ich würde es ja ganz genau so machen.

Wie kocht es sich auf dem Herd? Hat es einen Zweck gehabt, dass ich ihn schickte? Gern möchte ich mir ja euer Heim einmal ansehen. So kann ich mir gar nicht recht vorstellen, wie es innen aussieht. Was macht B. für ein Gesicht? Der soll ganz ruhig sein, sonst kann es ihm evtl. mal koddrig gehen. Und ob die Frau B. ein böses oder freundliches Gesicht macht, soll mir auch gleich sein. Von hier komme ich nur schlecht nach Neuhausen, drum schreibe nur alle Deine Wünsche an Itel, denen wird es nichts schaden, wenn sie etwas Beschäftigung haben. Und die Kiste ist noch immer nicht da? Das ist heute wirklich nicht schön, wenn man etwas verfrachten muss. Schade, dass bei unseren Verwandten nun auch die Kartoffeln usw. umkommen, während sie uns im Frühling fehlen werden. Itel soll noch so viel wie irgend möglich aufkaufen, dann an euch abschicken und nur für ihre (?) einkellern. Dann bleiben die anderen für den Fall, dass wir später zurückkehren können (wenn V3 + 4 in Tätigkeit sind). Hat die Kreissparkasse Neu­hausen Dir schon Geld geschickt? Ich bin ganz knapp bei Kasse, aber die Versicherungen bezah­len, Stiefel, (?), Zigaretten usw., da verschwindet es wie Schnee in der Sonne. Im Dezember wird es wohl die große Nachzahlung geben.

Mein Puttichen, mein herziges, einen schönen Gute-Nacht-Kuss und viele liebe Grüße von

Deinem Gustav

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.