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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 24

Datum: 24. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Heute Abend wird meines Vorgängers Abschied gefeiert. Etwa 25 Offiziere und Beamte wer­den es sein, die zusammenkommen. Hoffen wir, dass es alles kurz und schmerzlos geht und der Rummel nicht lange dauert. Vorhin beim Mittagessen stellten sich wieder ein paar neue Offiziere von anderen fliegenden Verbänden vor, die vorübergehend hier sind. Darunter auch ein Haupt­mann, und wer glaubst Du, wer das war? Unser aller Fritz Führer von der Artillerie aus Inster­burg. Wir hatten schon unsere Namen förmlich genannt bei der Vorstellung, dann erst sahen wir uns an und glaubten nicht recht zu sehen. So trifft man sich nach etwa 20 Jahren wieder. Nur einmal haben wir uns wohl 1930 noch einmal dazwischen getroffen in Ponarth.

Ob ich morgen mit einem Telefongespräch durchkomme, und ob die Bacher Dich holen wird? Wollen hoffen, dass es klappt. Grüßen soll ich Dich von Czogalla, der rief heute an, hatte aber nichts Besonderes. Er ist als Stabsintendant übernommen worden, wie wir noch zu meiner Zeit beim Luftgaukommando beantragt hatten. Nun freut er sich natürlich wie ein Schneekönig.

Mein Puttichen, mein liebes, wann wohl wird der Russe durch Deutsche Krieger nur weit nach Russland hineingetrieben werden, damit ich euch endlich wieder zurückholen kann? Nach Kö­nigsberg würde man schon hin und wieder eine Dienstreise mit einem Abstecher nach Neuhausen machen können. So aber sieht die Sache schlecht aus. Wohl seit langer Zeit werden wir diesmal Weihnachten jeder für sich feiern müssen. Doch wir wollen nicht verzagen und immer denken, dass wir aufeinander warten, noch alle gesund sind und dass unsere Wohnung schließlich noch immer da ist, während so viele andere alles verloren haben.

So, Muttichen, liebes, weißt du, wie spät es jetzt ist? 7^00^ Uhr morgens. (25. 11. ? -- UL). So lange hat die Abschiedsfeier für Brasin gedauert. Dabei sind wir nicht etwa dun, sondern ziemlich nüchtern. Es war interessant. Der Kommandant, Oberstleutnant v. Platen und Major Friedrich haben allerhand Wortgefechte geführt und wir hatten unser Gaudium. Zum Schluss haben wir gemeinsam gefrühstückt. Und nun geht es zum Dienst, auch wenn etwas Müdigkeit auftreten sollte, pünktlich sind wir doch.

Also, Puttichen, Frauchen, liebes, sei herzlich gegrüßt und geküsst von

Deinem Gustav

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.