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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 25

Datum: 26. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Wieder ist ein Sonntag zu Ende. Allerdings merkt man wie beim Luftgaukommando, so auch hier, nichts davon. Alles grauer Alltag. Nicht einmal Post habe ich von Dir bekommen. Aber dafür habe ich mein liebes Puttichen am Telefon sprechen können. Ist die Frau Bacher denn wie­der gut Freund mit Dir, dass sie immer dabeisteht? Hat B. dann meinen Brief noch nicht, in dem ich ihm eins ausgewischt habe? Ich freue mich immer sehr, wenn ich Deine liebe Stimme höre. Dann ist's mir so heimelig zu Mute, so als wäre ich wieder daheim, nur dass ich mein Frauchen nicht in den Arm nehmen und lieb haben kann. Wie ich mich nach Dir bange, Frauchen, das kann ich Dir gar nicht so sagen, dafür fehlen mir die Worte. Wann werden wir uns wiedersehen? Ob ich ein Telegramm bekomme, wenn Du alles glücklich überstanden hast? Freuen würde ich mich gar sehr.

Und der Herd ist also gleichzeitig ein Ofen. Er wird also mithelfen, euch die Wohnung warm und gemütlich zu machen. Falls ihr nun einmal umziehen solltet oder wenn ihr zurückkehren werdet, dann musst Du den Ofen mit Röhren immer mitnehmen, denn er gehört uns nicht, son­dern der Luftwaffe. Auch verkaufen oder anderen überlassen darfst Du ihn nicht.

Heute habe ich nun so ziemlich alles übernommen, so dass ich jetzt Herrscher aller Reussen bei der Gruppe Verwaltung bin und nur dem Kommandanten verantwortlich. Auch zu allerlei mili­tärischen Diensten hat man mich schon eingeteilt, so dass ich nun mit meinen Männern exerzieren muss. Brasin war wegen seines Alters dazu nicht herangezogen worden, doch ich bin dazu noch jung genug. Und Spaß machen wird mir das auch. Morgen oder übermorgen werde ich dann auch in Brasins Wohnung einziehen, dort habe ich dann auch Telefon, so dass ich immer zu erreichen bin. Hast Du schon das Geld aus Neuhausen bekommen? Ich glaube, Du wirst mir noch etwas schicken müssen, denn, wenn ich hier so allerlei kaufe, wenn es auch nur Kleinigkeiten sind, ins Geld gehen sie auch und die Bezahlung der Versicherungsbeiträge und Stiefel hat mich bis auf 50,- RM blank gemacht. Den Einzug muss ich auch noch bezahlen. Habt ihr mein Päckchen erhalten? Was könnte ich euch wohl zu Weihnachten schenken? Kommt ihr immer mit Brot aus und wie steht es mit Kartoffeln? Der Frau Mahnke gefällt es wohl jetzt, wo sie Dir das massive Zimmer abgeknöpft hat, bei Dir zu gut. Erwähnt sie nie, dass schließlich ja auch Du in erster Linie Anspruch auf dieses Zimmer hast?

Mein liebes, gutes Frauchen, hast Du mich lieb? Aber das brauche ich ja gar nicht zu fragen. Es kann ja nur sein, dass Du mich liebhast, denn Du weißt, wie lieb ich dich habe und unsere Liebe ist doch gegenseitig. Ich gebe Dir in Gedanken einen lieben langen Kuss und verbleibe mit vielen Grüßen

Dein Gustav

Grüße unsere kleine Eddamaus von mir. Ich schenke ihr ein Küsschen. Auch Dorchen und die Jungs lasse ich grüßen. Papi

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.