Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 27
Datum: 28. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Heute endlich habe ich 2 Briefe vom 23. und 24. erhalten. Also,
Muttichen, gehe mir ja rechtzeitig von Hause fort, wenn Du merkst, dass
es soweit ist, und lass Dich von Halina begleiten. Ich wünsche ja auch
sehnlichst, dass Du bald das Schwere hinter Dir hast. Von Tag zu Tag
hoffe ich immer, dass mich eine freudige Nachricht erreicht. Doch man
muss aushalten und warten. Na, man sagt immer, was lange dauert wird
endlich gut. Auch in diesem Falle wird es stimmen.
Lieber Joachim, vergiss nicht, für Muttilein Blumen zu besorgen, wenn
das kleine Brüderchen oder Schwesterchen da ist, und auch, wenn Mutti
aus dem Krankenhaus nach Hause kommt. Einen Strauß für mich ganz allein,
da legst einen Brief hinein und schreibst rauf: Von Papi! Mit Tausend
herzlichen Wünschen.
So, mein liebes Puttichen, jetzt ist es bald 20^00^ Uhr und ich habe
meinen Umzug hinter mir. Hier ist es noch etwas gemütlicher, als in der
früheren Wohnung. Das 2. Bett fehlt allerdings, doch Du meinst ja, es
ist nicht nötig. Nun, und zur Not haben wir ja noch eine Couch, für den
Fall, dass Du mich doch aus dem Bett rausschmeißt. Doch bis wir soweit
sind, das dauert noch eine Weile, denn im Winter kannst Du ja doch nicht
von den Kindern fort. Aber und wenn es Pfingsten wird, freuen wollen wir
uns dennoch auf das Wiedersehen, wenn wir nur alle gesund bleiben und
uns recht von Herzen liebbehalten.
Muttilein, wirst Du später, wenn du wohlauf bist an Zigaretten und
Tabletten denken können? Die Zigaretten gehen schon ganz zur Neige. Ich
werde jetzt meine Pfeife dazu einschi...(?), vielleicht kann ich dann
alles strecken, bis Du wieder auf Deck bist und für mich sorgst. Die
Mützen habe ich bestellt und hoffe, dass alles klappt. Was aber bekommt
mein liebes Frauchen? Ich möchte Dir ja so gerne eine Freude bereiten,
doch es ist nichts zu bekommen. Wenn man so wie früher kaufen könnte,
dann würde ich, wenn es schöne Sachen gäbe, für mein liebes Frauchen das
ganze Geld ausgeben. Etwas Schöneres könnte man mit dem Geld bestimmt
nicht anfangen, als dem liebsten Menschen auf dieser Erde Freude
bereiten. An die Krankenkasse in Königsberg hatte ich doch als
Versicherung für Halina auch Geld abgeschickt. Nun will die Krankenkasse
wissen, wann Halina geboren ist, von wann bis wann sie in Neuhausen
beschäftigt wurde und wie viel Barlohn sie monatlich erhält. Außerdem
will sie die Juni-Rechnung und Quittung zur Einsicht haben. Kannst Du
mir die ersteren Angaben machen? Rechnungen und Quittungen werden wir ja
wohl kaum noch haben.
Und nun, mein herzliebes Frauchen, für heute wieder genug. Ich sende
Dir herzliche Grüße und einen lieben Kuss
Gustav
Freue mich schon, dass Eddalein mich ganz toll liebhaben will, wenn ich
wiederkomme.
Allen Kindern herzliche Grüße Papi