Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 28
Datum: 30. November 1944
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Vorhin habe ich Dein Paket mit der „Wäsche" erhalten. Ich danke Dir
recht herzlich für alles. Ja wenn ich mein Frauchen nicht hätte, die
immer nur für andere sorgt. Deshalb will ich ja auch, dass Du ins
Krankenhaus gehst, und dass Du dort einmal einige Tage wenigstens ganz
still liegen musst, ohne für jemanden zu sorgen. Mein liebes Frauchen,
meine Tinte ist wieder einmal alle geworden und ich muss mit Bleistift
weiterschreiben. Wenn diese schlimmen Jahre einmal vorbei sein werden,
dann werde ich Dich aber bestimmt öfter für längere Zeit fortschicken
zur Erholung, oder nimmst Du mich mit: Ein wenig ausspannen aber wirst
Du mir dann in jedem Jahr. Ich möchte Dir alles Liebe tun, mein
Puttichen, mein liebes, wenn ich so sehe, wie Du Dich um alles sorgst
und mühst von morgens bis abends, Tag für Tag. Ein anderer wäre bestimmt
dabei schon zusammengebrochen, nur unser liebes Puttichen trägt das
alles in ihrer Liebe zu uns. Schimpfe mich nicht, Frauchen, aber es ist
doch so. Ich kann auch schon gar nicht schimpfen, dass Du mir wieder
Butter geschickt hast, die Dir gewiss nötiger wäre.
Hast Du schon die 500,- RM von Neuhausen? Ich sprach heute mit der
Sparkasse, die teilte mir mit, dass sie 500,- RM abgeschickt hat. Ich
habe veranlasst, dass nochmals 500,- RM abgeschickt werden und für mich
200,- RM. Denke nicht, dass ich die nun leichtsinnig ausgeben werde. Im
Gegenteil, ich hoffe mit meinem Wehrsold auszukommen. Nur im Moment war
ich knapp dran. Und schließlich darf der Mann ja auch nicht immer jeden
Groschen umdrehen und nachrechnen, ob's wohl reicht. Auf unser Konto
sind in den letzten Tagen über 2700,- RM raufgekommen. Das ist die
Nachzahlung Stabszahlmeister -- Stabsintendant und das Gehalt für
Dezember und Januar. Allerdings ist das Gehalt ab 1. 1. 45 niedriger,
weil von dieser Zeit ab es nicht wie früher 3 Hauptmannsstufen gibt (ich
war in der letzten), sondern nur eine und diese eine liegt zwischen
der 1. und 3., entspricht also der 2.(Stufe). Für Januar muss ich also
einen kleinen Betrag zurückzahlen. Weil es aber weniger ist, bekomme ich
das 18-fache des „Weniger" als Ausgleich ausgezahlt. Das werden bei mir
auch etwa 1200,- RM sein. Davon 300,- RM zum 1. 2. 45 und den Rest
zum 1. 8. 45. Jetzt müsste der siegreiche Frieden da sein und alles wie
früher zu kaufen geben, dann würde ich vor allem mein Frauchen
verwöhnen.
3 Mützen habe ich heute bestellt, hoffentlich wird es. Ich werde mich
dann mit euch freuen, dass ich euch wenigstens etwas schenken kann. Paul
hat geschrieben, den Brief lege ich bei. Hoffen wir, dass wenigstens er
durch alles heil hindurch kommt. Morgen werde ich Neuhausen anrufen,
dass sie Kisten zu Itel schicken. Dann können sie noch einiges an Dich
abschicken.
Und nun, mein herzliebes Frauchen, viele herzliche Grüße und einen ganz
lieben Kuss
Gustav
Grüße auch Eddalein und Dorchen und die Jungs vom Papi