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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 30

Datum: 02. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Heute habe ich keine Post von Dir erhalten. Nun hoffe ich, dass ich morgen 2 Briefe bekomme. Auch meine Briefe sind in diesen Tagen etwas unregelmäßiger abgegangen. Gestern hatte ich das Absenden durch den Besuch des Oberstabsintendanten vollkommen vergessen, doch geschrieben habe ich regelmäßig.

Es ist jetzt einige Stunde später. Vorhin, um 8^30^ Uhr etwa, bekam ich Rummelsburg, doch keine Verständigung mit 235. Mir war es so, als ob sich einmal oder 2 × eine Männerstimme meldete, dann glaube ich, war auch einmal Frau Mahnke dran, doch mich konnte keiner verste­hen. Dann vermittelte die Post etwas, woraus ich aber auch nicht schlau wurde. Auf meine Frage, wie es Dir geht, sagte mir die, es geht Dir gut. Dann wollte ich wissen, ob Du wohlauf oder im Krankenhaus wärst; ich bekam zur Antwort, es könnte jeden Augenblick losgehen. Nun weiß ich auch nicht, was ich damit anfangen soll. Ob ich morgen nochmals anrufe? Mir ist wirklich nicht wohl zu Mute, weil ich doch nichts rechtes weiß, aber aus dem Gespräch annehme, dass sich der kleine Erdenbürger gerade bemerkbar macht, um an das Licht der Welt zu kommen. Ob von dort Telegramme abgehen und ob ich eines bekomme? Ach Puttilein, liebes, ich wünsche Dir ja alles Gute und dass Du es nicht gar so schwer haben mögest. Könnte ich Dir nur helfen. Wie stolz werde ich wieder auf mein Frauchen sein, wenn alles vorüber ist. Ich habe Dich doch so lieb, Frau­chen, dass ich sonst was für Dich tun könnte. Sei mir recht artig im Wochenbett, Puttilein, damit Du mir schön gesund wirst und bleibst; denke immer daran, wie sehr wir Dich alle brauchen. Du bist doch der Mittelpunkt der Familie, um die sich alles dreht. Und wie will ich mein Frauchen wieder liebhaben, wenn ich Dich erst wieder bei mir habe. Hoffentlich habe ich dich mit meinem Anruf nicht zu sehr beunruhigt, falls Du noch zu Hause warst. Meine Gedanken sind nur bei Dir, mein Frauchen, mein liebes.

Ich grüße Dich recht herzlich mit einem Kuss und hoffe bald auf Nachricht Gustav

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.