Zum Inhalt

Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 31

Datum: 04. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Was gäbe ich drum, wenn ich wüsste wie es Dir jetzt geht. Nach den Worten der Telefonistin in Rummelsburg nehme ich beinahe an, dass gestern Abend schon der kleine Erdenbürger ans Licht der Welt wollte. Ich wünsche mir ganz für mich alleine, dass jetzt am Abend schon das Schwerste hinter Dir liegen möge und Du schon glücklich im Bett liegst und nur nach dem kleinen Mensch­lein siehst, sonst aber der Genesung entgegen gehst. Ach, Puttilein, liebes, niemand wäre glückli­cher als ich, wenn ich das wüsste. Wann werde ich wohl den ersten Brief darüber von Dir bekom­men? Ich müsste nur wissen, dass alles gut verlaufen ist, dann will ich auch schon gerne warten, dann soll mein Frauchen sich nicht einmal mit Briefschreiben quälen, sondern die Tage der Ruhe zum Ausruhen benutzen. Dann möchte ich, so wie sonst immer, neben Dir sitzen, Dich streicheln und glücklich sein, wenn mein Frauchen sich dabei wohl fühlt und auch glücklich ist. Doch wa­rum schreibe ich das alles, Du weißt ja auch so, wie lieb ich Dich habe, mein Puttilein. Allmäh­lich wird Dein Mann auch schon ganz dumm, was, Frauchen?

Ich habe von heute bis nächsten Montag Dienst (Offizier vom Dienst) und schreibe den Brief hier vom Dienstzimmer. Man schläft hier zwar nicht so gut, wie im eigenen Bett, aber was ist schon zu machen. Die Kameraden an der Front müssen ja bei diesem Hundewetter draußen im Dreck liegen. Heute Vormittag waren wir auch draußen, und man bekommt schon dabei die Nase voll, wenn es so stiemt.

Die Einheit, bei der sich der Mützenmacher befindet, verlegt demnächst nach einem anderen Ort. Nun muss ich zusehen, dass die Mützen noch fertig werden. Wenn die Verlegung aber schon morgen oder übermorgen erfolgen sollte, dann steht es schlecht. Wollen den Daumen kneifen, dass sich die Sache noch verzögert.

Damit, mein liebes Frauchen, schließe ich für heute. Ich grüße Dich herzlich mit einem Kuss, den ich Dir gerne in Wirklichkeit auf Deinen Mund drücken würde.

Gustav

Viele Grüße den beiden Mädchen mit einem Küsschen vom Papi. Ist meine kleine Tochter Edda auch immer schön brav? Auch den Jungs einen Gruß.

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.