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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 34

Datum: 11. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Es ist gleich 10 (22) Uhr und Zeit zum Schlafengehen. Bis 19^00^ Uhr hatte ich im Büro zu tun, dann habe ich gegessen. Anschließend habe ich ein Wannenbad genommen und nachher hier noch den Doktor gespielt. Ich hatte nämlich schon wieder unter dem Arm und auf den Rippen mächtige Furunkel. Nach dem Baden waren sie sozusagen von selbst aufgegangen. Es kam aller­hand raus. Hoffentlich heilen sie jetzt und es kommen nicht an anderen Stellen wieder neue her­vor.

Mein Puttilein, mein liebes, vor mir auf dem Tisch stehen 3 Paar Pantoffeln, für Muttilein, Dorchen und Eddamaus. Dorchens und Eddaleins werden etwas zu groß sein, aber dann müsst ihr vielleicht etwas höher eine Schnur durchziehen und zubinden. Nun habe ich doch wenigstens etwas für jeden von euch Butzers (?) Morgen werde ich sie einpacken und abschicken. Leider habe ich aber auch gar nichts, was ich noch beipacken könnte. Seht nur zu, dass ihr euch rechtzeitig einen schönen Tannenbaum zu Weihnachten besorgt; an Itel habe ich geschrieben, dass sie den Weihnachtsbaumschmuck abschickt. Sind die Hühnchen schon angekommen?

Heute habe ich von meinem lieben Frauchen keine Post bekommen. Gewiss wirst Du in diesen Tagen noch große Schmerzen gehabt haben und nicht haben schreiben können. Morgen sind nun 6 Tage um und hoffentlich haben auch die Wochenbettschmerzen allmählich etwas nachgelassen. Wie geht es mit der Brust, Muttilein? Wir wollen doch hoffen, dass auch hier sich nicht wieder etwas findet und dass Du, mein liebes, gutes Frauchen, Weihnachten in bester Gesundheit mit unseren Kindern feiern kannst. In 14 Tagen haben wir schon den 2. Feiertag. Hier denkt nie­mand an in den Urlaub fahren. Alles richtet sich aufs Hierbleiben ein.

Mein herziges Frauchen, wie gerne würde ich bei Dir sein und mit Dir bei unseren Kindern das Fest der Freude begehen, doch es ist uns diesmal nicht vergönnt. Umso mehr werden wir in Liebe einander gedenken und all unsere Gedanken hinüber und herüber gehen lassen. Wir wollen aus­halten und hoffen, bis wir uns in den Armen halten werden.

Ich grüße Dich herzlich, mein Puttilein, einen recht langen Kuss in Liebe

Dein Gustav

Grüße die Jungs vom Papi und gib unseren [3]{.underline} Mädels einen lieben Kuss. Was macht Sabinchen und Eddalein?

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.