Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 35
Datum: 12. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Heute wird mein Brief recht kurz ausfallen. Es ist jetzt ½12 (23^30^)
Uhr und morgen früh heißt es um 5^00^ Uhr wieder raus. Ich habe bis
jetzt gesessen und an meiner Sache gearbeitet. Ich glaube, ich schrieb
schon einmal, dass am 1. Tag meiner Dienstübernahme so allerhand
Diebstähle usw. gemeldet wurden. Die Burschen hatten wir erwischt. Mir
ist dabei ein ganzes Aktenstück an Berichten und Vernehmungen
entstanden, und zu diesen Akten musste ich, da es sich in der Hauptsache
um Bekleidung und Verpflegung handelte, Stellung nehmen. Nun habe ich zu
dem dicken Aktenstück noch eine Anzahl Seiten dazu geschmiert. Morgen
ist tagsüber militärischer Dienst, da komme ich nicht dazu, und in der
Zeit kann es dann gleich mit Maschine geschrieben werden. Der Wache habe
ich Bescheid gegeben, dass sie um 5^00^ Uhr anruft; das ist dann mein
Wecker. Aber Spaß macht es doch mehr als beim Luftgaukommando. Hier bin
ich doch was und hab was zu bestimmen (?) Auch kann man einmal selbst
anregen und vorschlagen.
Meine nächste Sorge ist dann die Ausgestaltung der Weihnachtsfeiern für
die Soldaten und fürs Kasino. In der heutigen Zeit kämpft natürlich
jeder Einheitsführer um jede Pfeffernuss. Keiner darf zu viel bekommen
aber auch nicht zu wenig. Dabei sind es nicht nur die Soldaten, sondern
auch die zivile Gefolgschaft hängt dran. Doch das sind alles keine
Schwierigkeiten.
Wie aber mag es meinem lieben Puttilein gehen. Sind jetzt schon die
größten Schmerzen vorüber? Wie werde ich mich freuen, wenn Du mir
mitteilst, es ist alles wieder in Ordnung und wir können uns wieder
liebhaben. Frech, was? Aber nein, die lange Trennung wird wohl dafür
sorgen, dass Du später keine Bange zu haben brauchst. Soll es so sein,
mein liebes Frauchen, was meinst Du? (an dieser Stelle hat Mutti einige
Zeilen geschwärzt, unleserlich gemacht, da wohl intime Worte geschrieben
wurden.) Ach, Frauchen, ich würde Dich so gerne von Herzen drücken und
küssen, doch es darf nur in Gedanken geschehen.
Die Schuhe habe ich noch immer nicht abgeschickt. Aber morgen Abend
werden sie eingepackt.
Viele herzliche Grüße und einen lieben Gute-Nacht-Kuss
Gustav