Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 38
Datum: 15. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Mein Briefpapier ist alle und das neue habe ich im Schreibtisch
meines Büros vergessen. Da muss dann eben so ein altes Papier
herhalten. Wenn Du diesen Brief erhältst, dann ist Deine Zeit im
Krankenhaus vielleicht schon zu Ende und Du bist schon in Deinem
„Heim". Die Rechnungen des Krankenhauses schicke mir her, auch
mindestens 3 Geburtsurkunden von Sabinchen, damit ich die Frage der
Kostenerstattung, der Antragstellung bei der Deutschen
Beamtenversicherung und der Gebührniszahlung bei der Gebührenstelle
regle.
Du aber Puttilein, mein liebes, bleibe schön in eurer kleinen Wohnung
und erkälte Dich vor allem auch nicht auf dem Klo draußen. Weißt Du,
Muttilein, es ist doch so schön, wenn alles gut abgelaufen ist, dass
man sich immer Vorwürfe machen würde, wenn man sich durch irgendwelche
Unvorsichtigkeiten noch eine Krankheit holen würde. Noch eine Bitte
habe ich an die Jungs: Geht nicht aufs Eis, solange es nicht wirklich
fest ist: Ihr macht der Mutti nur Sorgen, und wenn ihr einbrecht, dann
ist der Kummer eurer Eltern erst recht groß. Also denkt daran und
gehorcht der Mutti.
Habt ihr schon einen Tannenbaum zu Weihnachten besorgt? Wie ich
gehört habe, soll es in diesem Jahr damit ganz schlecht stehen, darum
besorgt euch rechtzeitig einen. Weihnachtskerzen habt ihr doch
hoffentlich noch welche da. Ob der Christbaumschmuck noch rechtzeitig
ankommt? Als Fuß müsst ihr euch irgendeinen Holzklotz oder dergleichen
nehmen. Du siehst, Muttilein, was ich so allerlei Sorgen habe, dabei
kann ich euch doch nicht helfen. Ja, Frauchen, liebes, wenn ihr auch
in der Fremde seid, allein bin doch ich, denn ihr seid immerhin in der
Familie zusammen, und wenn ihr schön gesund seid, dann freut euch und
lasst euch nicht abhalten, dennoch das Fest der Freude so fröhlich als
möglich zu feiern.
Muttilein, ich grüße euch alle recht herzlich und wünsche Dir im Heim
(?) mit Binchen alles Gute. Einen herzlichen Kuss Gustav
Grüße die Jungs, Dorchen, Eddalein und Bienchen vom Papi.
Gestern habe ich an alle Geschwister, bis auf Gretel, deren Anschrift
mir nicht bekannt ist, und an die Eltern geschrieben. Auch Annas
Adresse habe ich nicht.
Paketbeilage zu Weihnachten
Meine Lieben alle!
Schicke alles das, was ich so zusammenkratzen konnte. Für die Jungs
und Mädchen etwas zum Malen und Schreiben und für Mutti und die
Mädchen außerdem ein Büchlein und Haarwasser. Wenn ich könnte wie ich
möchte, würde ich euch die Sternlein vom Himmel holen. Doch leider.
Herzlichen Gruß dir, liebes Frauchen, von Deinem Gustav und euch
Kindern vom Papi
Adressiert an: Frau Martha Lörzer, Rummelsburg/Pom., Schweizerhäuschen
Absender: Stabsintendant Lörzer, Luftgaukommando I, Königsberg Pr.