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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 39

Datum: 16. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Soeben bin ich vom Abendessen zurückgekommen. Entenbraten gab es mit Schmorkohl und einem Glas Bier dazu. Das heißt natürlich nicht, dass nun alle Entenbraten hatten, nein, nur zu 3 Mann haben wie eine Wildente, die einer geschossen hatte, verzehrt. Ich habe nicht ge­glaubt, dass Wildenten so gut schmecken. Jedenfalls bin ich gut satt geworden und habe meine Abendportion aus der Truppenverpflegung für morgen früh.

Ob Du, mein Puttilein, schon aus dem Krankenhaus raus bist? Nach Deinem Schreiben nehme ich es an. Wie bist Du nach Hause gekommen? Wäre ich da gewesen, hätte ein Wagen ran müssen. Wie habt ihr euch nun in dem einen Zimmer eingerichtet? Was sagt Frau Mahnke, will sie gar nicht verduften? Und Frau Mahnke glaubt, dass ihr Mann in Urlaub kommt? Ja, möglich ist's wohl, wenn die da oben sitzen. Dort ist die Urlaubssperre gemacht worden, und da wird man auch die Sperre durchbrechen können. Doch deswegen kein Neid, auch wir werden einst ein Wiedersehen feiern, mein Frauchen, und wie erst, da wirst Du Dich wohl wappnen (?) müssen.

Heute haben wir einen sehr schönen Vortrag von einem Major gehört. Der sprach davon, wie schlapp der Russe schon ist, dass unsere Zeit in einigen Monaten auch mal wiederkommen wird und wie das alles zugehen wird. Wir müssen nur aushalten und standhaft bleiben. Itel hat geschrieben, dass die Kisten und auch der kleine Bücherschrank abgegangen sind. Ich werde mich freuen, wenn Dir durch den Schrank etwas geholfen werden könnte. Nur mit den Kartoffeln, das gefällt mir gar nicht, Muttilein. Wenn das Wetter so bleibt, kommen sie alle to­tal erfroren an. Wie soll das dann nur werden. Legt sie alle, bevor sie auftauen, in kaltes Was­ser für etwa 48 Stunden, vielleicht werden sie dann noch brauchbar.

Mein geliebtes Frauchen, ich möchte Dich in die Arme nehmen und Dich so lieb abküssen und Dir zeigen wie lieb ich Dich habe. Doch leider....

Ich grüße Dich recht herzlich. In Gedanken einen herzlichen Kuss von Deinem Gustav

Und was macht meine Eddamaus? Wie gefällt ihr das Sabinchen? Ihr und Dorchen ein Küss­chen vom Papi

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.