Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 44
Datum: 22. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Gestern habe ich keinen Brief geschrieben. Wir haben Weihnachten
gefeiert, wobei uns der Alarm wieder aufstörte (?) und in die
Stellungen jagte. Als wir um Mitternacht zurückkehrten, hatte ich
nicht die Stimmung zum Briefschreiben. Ich habe auch einen bunten
Teller mit Pfefferkuchen und Drops bekommen. Dann gab's Bier, Glühwein
und Schnaps, alles seit Monaten erspart.
Schreibe jetzt am 23. 12. 44 morgens weiter. Gestern Abend musste ich
noch einmal zur Feier der Soldaten und der zivilen Küche raus. Es ist
gut, dass bald alles vorüber ist. Dein Paket habe ich erhalten, ich
danke Dir recht herzlich für alles, aber du solltest doch nicht so
viel schicken, die Butter und Wurst wird euch nun überall fehlen.
Schmecken wird mir gewiss alles gut, nur ich werde dick und rund
werden. Von den Eltern aus Kampeneck habe ich soeben einen Brief
erhalten. Mutter schreibt, dass sie auch an mich ein Päckchen
abgeschickt hat. Du siehst, ich werde bald nicht wissen, wie ich alles
verzehren soll.
Mein liebes, gutes Frauchen. Ich nehme an, dass dieser Brief etwa zu
Weihnachten da ist. Am Heiligen Abend werde ich an euch denken. Unsere
Gedanken werden sich vereinen und in der Gewissheit gegenseitiger
Liebe werden wir die Trennung ertragen und auf ein Wiedersehen
hoffen.
Viele herzliche Grüße und einen lieben Kuss
Gustav