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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 45

Datum: 23. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Morgen ist Heiligabend. Alles ist jetzt schon weihnachtlich gestimmt, wenn wir Männer hier im Horst auch nicht so viel davon merken. Aber bei Dir, umgeben von den Kindern, da erinnert doch alles an das Weihnachtsfest. Und wenn ich auch nicht bei euch sein kann, so freue Dich doch, mein Puttichen, dass Du die Kinder bei Dir hast und dass ihr alle gesund und munter seid. Ich freue mich ja auch so sehr, dass Du, mein Frauchen, nicht wieder mit der kranken Brust zu tun hast. Du weißt, dass das meine große Sorge war, wenn ich auch bis jetzt nicht da­von geschrieben habe. Unser kleines Sabinchen ist also ein liebes, artiges Kindlein. Ich freue mich schon auf das Wiedersehen. Unsere kleine schwarze Hummel und Dorchen sind ja meine lieben kleinen Töchterchen, aber Du weißt, dass ich mir immer so einen Blondkopf gewünscht habe, mit blauen Augen wie Du, Mutti. Füttert mir das Kleinchen nur gut, damit es ein strammes Kerlchen wird.

Wie mag es bei Schierks aussehen? Vorhin wurde von Bromberg gesprochen und da kam ich auf die Idee, Bromberg anzumelden. Vielleicht bekomme ich Schierk, dann will ich einmal hö­ren, ob da schon der Storch angekommen ist. Von den Eltern habe ich heute ein Päckchen mit einem Gänseschinken, einem Töpfchen Schmalz und Kuchen bekommen. Werde mich bedan­ken, aber der Mutter schreiben, wenn ich mich auch sehr gefreut habe, sie möchten es lieber euch schicken, da Du doch so viele Mäuler satt zu machen hast. So habe ich Kuchen auf Tage. Vielleicht schicke ich zwischen den Feiertagen ein Päckchen von meinem Kuchen an euch ab. Der Portemonnaie-Mann hat sich bisher nicht gemeldet, den muss ich doch einmal anrufen.

Mir tut es ja so leid, dass ihr eine so kalte Wohnung habt, Puttilein. Du musst Halina im­mer schon frühmorgens, wenn Du noch im Bett liegst, einheizen lassen. Wie ist es mit den Koh­len? Du schreibst, dass ihr 3 Öfen zu heizen habt. Hat Frau Mahnke nicht extra Kohlen be­kommen? Und dann, mein liebes Muttichen, benutzt ihr nie den elektrischen Heizofen? Den musst Du morgens immer anschließen, auch beim Baden und Einpacken der Kleinen kannst Du den doch immer benutzen. Soll ich Dir die Schnur, die ich mir für mein Bügeleisen gemacht habe, schicken? Hast Du Doppelstecker mit? Wie ist es mit dem Tauchsieder, gebrauchst Du den? Wegen der Wohnung, mein liebes Frauchen, in Volz bzw. Kamnitz (?) rufe doch einmal von der Post aus oder von Krebs aus an. Wenn es möglich sein sollte, dorthin umzuziehen, dann eben ran. Vielleicht würden Dir die Bauern von dort gegen eine Flasche Cognac auch ein paar Fuhrwerke stellen. Die Hauptsache ist, dass ihr euch beim Umzug nicht erkältet. Grüße Herrn Kaschmieder (?) unbekannter weise von mir. Ich freue mich, dass es in jetziger Zeit noch solch hilfsbereite Menschen gibt.

Ich grüße Dich nun herzlich. All meine Liebe und heißen Wünsche werden am morgigen Abend von Heiligenbeil aus zu Dir gehen. In Gedanken werden wir uns die Hände reichen und zufrieden und tapfer aushalten bis wieder die Zeit kommt, da wir gemeinsam das Fest der Freude feiern können. Die herzlichsten Grüße und einen Kuss

Gustav

Und ihr, meine Jungs und Mädchen, feiert freudig das Weihnachtsfest und habt immer eure Mutti recht lieb, die stets für euch sorgt. Von mir viele Grüße Papi

Was macht meine kleine schwarze Hummel und Dorchen? Wird meine Eddamaus mich noch kennen? -- Sind die Kisten mit den Schlitten schon da?

Soeben habe ich mit Bromberg gesprochen. Hauptmann Schierk ist seit etwa 5 Tagen nicht mehr in Bromberg, Frau Schierk in Podejuch. Dort ist am 6. 12. ein Junge eingetroffen. Soll auch alles munter sein. Das sagte mir ein Obergefreiter vom Geschäftszimmer.

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.