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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 46

Datum: 24. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Heilig Abend! Auch unsere Feier im Kasino ist zu Ende. Um 21^00^ Uhr sprach Göbbels, das haben wir noch gemeinsam gehört, alle miteinander. Niemand von den Offizieren hat Urlaub, das tröstet mich etwas darüber hinweg, dass ich an einem solchen Tag nicht bei Euch sein kann. (Musste soeben noch Tinte nachfüllen). Wohl aller Gedanken sind zu den Liebsten, die daheim oder, so wie ihr, in einem Behelfsheim getrennt voneinander das Weihnachtsfest erleben, gewan­dert. Doch damit solch melancholische Gedanken nicht zu lange anhielten, warf dieser oder jener ein Scherzwort hin, so dass man auf andere Gedanken kam. Auch ihr, mein liebes Frauchen, habt gewiss an mich gedacht. Unsere Wünsche werden sich wohl getroffen haben in dem Gedan­ken und der Hoffnung, dass der Sieg recht bald unser sein möge, damit wir wieder gemeinsam das Fest der Freude feiern können, in unserem eigenen Heim. Jetzt möchte ich Dich, mein Frauchen, in die Arme schließen und Dir alle Deine Sorgen ab­nehmen, sie dir fortküssen, Dich herzen und liebhaben.

So grüße ich Dich herzlich, mein Puttichen, feiere in Gesundheit mit den Kindern das Fest und grüße auch die Kinder herzlich mit einem Kuss vom Papi

Eigentlich wollte ich heute, am 1. Tag, den ich seit Monaten frei habe, richtig faulenzen. Nun wird oft immer nach dem Mittagessen Kaffee getrunken, so auch heute. Na, meinte da der Oberstleutnant, wie ist es, Lörzer, können wir uns heute einmal Cognac leisten? Nun, ich habe Ja gesagt und da musste ich dann für die ca. 25 Mann eine Flasche nach der anderen rausrü­cken. So ist es jetzt 16^00^ Uhr geworden. Ich habe dauernd geschummelt und bin schließlich jetzt ausgerückt. Als ich mich abmeldete, bedankte sich der Oberstleutnant und hat mich über die Maße gelobt. Ich habe mich natürlich für das Lob bedankt und sagte, hoffentlich ist es nicht heute „Hosianna" und morgen „Kreuzige ihn". Ja, wenn man zu Heiligabend Putenessen be­schafft mit Speiseeis usw. und am 1. Feiertag ein Kotelett so groß wie ein Suppenteller, dazu an beiden Tagen Bohnenkaffee und Kuchen, dann ist es natürlich gut, hauptsächlich, wenn die nöti­gen Getränke dazu sind. Meistens, wenn „er" einen weg hat, dann wird er eklig und deshalb verziehe ich mich rechtzeitig.

In den nächsten Tagen muss ich nach Königsberg fahren, um meine Geheimsachen zu überge­ben. Wahrscheinlich fahre ich am 28. Wenn meine Lieben jetzt in Neuhausen wären, dann würde ich einen Abstecher zu meinem lieben Frauchen machen können. Nun kann mich die Angelegenheit nicht besonders locken.

Und ihr, meine Kinderlein, was hat euch der Weihnachtsmann gebracht? Oder ist er in diesem Jahr auch zu den Soldaten eingezogen? Ich konnte euch leider keine Bücher schicken, weil ich keine bekommen habe. Wie passen die Mützen und die Schuhe? Haben die paar Bonbons gut geschmeckt? Meine kleine Eddamaus kennt ja kaum noch Bonbons, da wird sie sich gewiss ge­freut haben, nicht Eddalein? Die anderen haben, wie sie klein waren, auch einmal Bananen, Schokolade, Apfelsinen usw. bekommen, was meine kleine schwarze Hummel gar nicht kennt. Wie aber, mein herzliebstes Frauchen, hast Du den Heiligen Abend und den 1. Feiertag ver­bracht? Du musst mir alles ganz genau schreiben wie alles war. Wie schön würde es sein, könnte ich Dich einmal besuchen und Dich so richtig drücken und liebhaben. Ob ich noch ein­mal leichtsinnig sein würde? **an dieser Stelle hat Mutti einen Satz eingeschwärzt, der intimen Inhalts ist -- UL** Aber solche Gedanken versuche ich immer weit fort zu schieben, denn es bleiben ja doch zunächst nur unerfüllte Wünsche. Ich hoffe immer, dass der nächste An­griff abgeschlagen wird und dass man dann vielleicht auch einmal an Rückkehr denken kann. Das würde eine Freude sein. Dann würde ich vielleicht auch einen Tag Urlaub bekommen; aber man soll lieber nicht zu viel von solchen Sachen träumen (Du weißt ja, wovon Dein Mann dann gleich in der Hauptsache denkt). Es grüßt Dich herzlich

Gustav

Die Rede von Joseph Göbbels an Heiligabend, 24. Dezember 1944

Ich hatte mich bemüht, eine Aufzeichnung dieser Rede hier einzubinden. Die ist allerdings nicht einfach zugänglich und das Bundesarchiv, dass ich angeschrieben habe, wollte mir so ein Tondokument nicht zukommen lassen. Reden und Materialien aus der Zeit des Nationaloszialismus werden offensichtlich nicht einfach so rausgegeben - und das ist sicher auch richtig so.

Die Rede selbst ist aber in diversen Zeitungen abgedruckt worden, deren Archive frei zugänglich sind. Aus einer dieser Zeitungen stammen die nachfolgenden Screenshots. Die Rede hatte den Titel "Fest der starken Herzen" - die Äussserungen in ihr wirken natürlich aus heutiger Sicht mit dem Wissen um die sich genau zum Jahreswechsel abzeichnende, völlig aussichtslose Lage, lächerlich, wie eine Verhöhnung, wurde aber von vermutlich mehreren Millionen Deutschen an diesem Abend gehört.

(Weitere Analysen zu dieser Rede folgen hier in Kürze)


Rede Göbbels 1/4

Rede Göbbels 2/4

Rede Göbbels 3/4

Rede Göbbels 4/4

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.