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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 49

Datum: 28. Dezember 1944
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Soeben habe ich einen Brief an das Wirtschaftsamt (Landrat) beendet, wo ich die Zuweisung von mehr Kohlen beantragt habe. Auch habe ich gebeten, Dir eine andere Wohnung zuzuweisen, wenn nicht anders, die Wohnung in Kamnitz oder Volz. Hoffen wir, dass etwas veranlasst wird, was soll ich sonst machen? Mir lässt das alles keine Ruhe. Ich sehe die Kinder mit roten Nasen direkt vor mir und kann doch nicht helfen. Wenn man alles richtig bedenkt, dann muss man doch sagen, es ist das Dümmste was man machen kann, sich so viele Kinder anzuschaffen. Ist das nun die Fürsorge des Staates? Entschuldige, dass ich so etwas schreibe, aber irgendwie muss sich der Ärger ja austoben. Unser kleines Sabinchen tut mir dabei besonders leid. Bis jetzt war das Wetter noch einigermaßen, aber sollten einmal 20 ^O^ Frost und mehr einsetzen, womit man bis Ende Februar immer rechnen muss, dann weiß ich nicht, wie das werden soll.

Grüße mir unsere Kinderlein. Im 6. Kriegsjahr hat der Weihnachtsmann nicht mehr so viel Spielsachen. Wenn Mahnkes auch viel hatten, die Freude am Wenigen und Einfachen ist viel schöner, als wenn man von allem im Überfluss hat. Und wenn dies Wenige euch die Eltern mit viel Liebe schenken, dann werdet ihr später, wenn ihr groß seid, doch sagen, unsere Eltern waren die besten. Seid immer recht brav, lernt fleißig, haltet zusammen und habt Mutti recht lieb, dann freue ich mich sehr.

Mein liebes Frauchen, ich freue mich schon sehr, Dich wieder schlank vor mir zu sehen. Du schreibst, Du wärest alt und hässlich in Rummelsburg geworden. Nun, das glaube ich Dir nicht. Für mich wirst Du immer mein liebstes, bestes Frauchen sein, das allen anderen Frauen in al­lem weit überlegen ist. Du weißt ja auch genau, Muttichen, wie verschossen in Dich Dein Mann auch nach 14-jähriger Ehe immer noch ist, auch wenn Du mir vorwirfst, dass ich Dich nicht liebhabe, weil ich nicht in Urlaub komme. Solche Vorwürfe können mich sehr kränken, aber ändern daran kann ich nichts. Wie kannst Du nur glauben, dass ich kommen könnte, wenn ich nur wollte oder dass ich mir eine Fahrt zu Dir, und wenn sie noch so weit wäre, entgehen lassen würde, wenn ein Urlaub möglich wäre? Doch ich will dazu nichts mehr sagen. Setze Dich doch bitte mit Koschinieder (?) in Verbindung und lass Dich einfach dorthin rausfahren, Muttichen. Joachims Schule wird eben versäumt. Die Gesundheit der Kinder geht der Schule vor. Oder würde ihn jemand in Pension nehmen?

Recht herzliche Grüße Dir, Joachim, Ulrich, Reinhard, Dorchen, Eddalein (der kleinen Hummel) und Sabinchen. Dir einen herzlichen Kuss von

Deinem Mann

Besteht in Rummelsburg keine Möglichkeit, Asthmazigaretten und Tabletten zu besorgen? Bei mir wird's jetzt ganz knapp.

Nachdem ich soeben Deinen Brief erhielt, habe ich meinen an den Landrat nicht abgeschickt, sondern lege ihn Dir zur beliebigen Verwendung bei. Ich danke Dir, mein Frauchen, und freue mich, dass Du mich noch ein bisschen lieb hast.

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.