Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 55
Datum: 03. Januar 1945
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Heute hast Du mich mal wieder im Stich gelassen, ich habe keinen
Brief erhalten. Nun, vielleicht kommen morgen dafür 2. Du siehst,
Muttichen, wie ich mich freue, wenn ich Post von Dir erhalte, das ist
mir dann ein Gruß aus der Heimat, weil er von meinen Lieben kommt. Wie
schön wäre es doch, hätte ich mein Frauchen hier. Ich würde schon ganz
artig sein, Dich nur recht liebhaben und mich auch ein wenig liebhaben
lassen. Nun kommt auch bald meines Frauchens Geburtstag und ich habe
nichts, womit ich Dich erfreuen könnte. Doch etwas habe ich, mein
ganzes Herz, das gehört Dir, Puttichen, und das schenke ich Dir jeden
Tag neu. Wann wohl werde ich Dir meine Liebe wieder einmal beweisen
können?
Wie geht es meiner kleinen Eddamaus, ist sie noch immer erkältet? Ich
an Deiner Stelle, Muttichen, würde auch das 3. Zimmer hinzunehmen. So
seid ihr doch zu eng zusammengedrängt. Sind übrigens der Schrank und
die Kisten angekommen? Schriebst Du nicht einmal auch, dass Du noch
ein Paket an mich abschickst mit ein paar Zigaretten drin? Ich habe es
nicht so nötig, aber schade wäre es doch, wenn es verloren gegangen
sein sollte, denn angekommen ist es nicht. Hast Du schon einmal wegen
Asthmazigaretten gefragt? Nun wird's bei mir ganz miserabel schlecht.
Noch etwas, Puttichen, ich hatte doch ein schönes Feuerzeug
(Tausendzünder), ob das mitgekommen oder zu Hause ist? Ich könnte es
hier gut gebrauchen, weil die Streichhölzer recht knapp sind. Und das
Hermännchen hält sich noch immer. Freut sich nun Frau Heisler, dass er
in Urlaub kommt oder will sie ihn nicht sehen? Wo stecken eigentlich
Dörnbrack, Raschke, Stoll, Hilbricht usw.?
Für heute, mein Frauchen, will ich schließen. Gleich gehe ich ins
Bett. Ich schlafe immer sofort ein. Manchmal nehme ich mir noch ein
Buch vor, aber meistens wird's nichts, ich schlafe immer schon, ehe
ich angefangen habe. Es ist ja gut so. Dann kommt man nicht viel zum
Nachdenken und auf „dumme" Gedanken. Wenn ich doch mein Frauchen
wieder einmal schlank vor mir hätte. Aber ich muss davon aufhören.
Ich küsse Dich herzlich
Gustav
Grüße Dorchen und den kleinen schwarzen Strolch vom Papi. Parieren
die Jungs auch immer ordentlich? Und wie geht es unserem kleinen
Sabinchen?