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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 56

Datum: 06. Januar 1945
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein geliebtes Frauchen!

An 2 Tagen wird meine Post ausgeblieben sein, sei mir nicht böse deswegen. Ich habe mich rumgetrieben in Königsberg und Neuhausen. Am 4., abends, fuhr ich ab. Von 8^00^ (20^00^) Uhr ab etwa war ich beim Luftgaukommando und habe mit Busemann alle Neuigkeiten durchgehe­chelt. Der alte Luthens (?) ist nun endlich auch als Oberstabsintendant übernommen worden. Sonst ist alles gewechselt worden an Dienststellenleitern, und würde ich jetzt erst vom Luftgau­kommando weggehen, dann würde ich keine solche Dienststelle mehr bekommen. Czogalla ist nach Nakel versetzt, Sinz (?) nach Devau, Köslin nach Neukuhren usw. In unserer Wohnung in Neuhausen fühlen sich Langankes ganz wohl. Ich habe sie nun erst einmal etwas in Angst gebracht wegen Koks. Willi will morgen gleich alles in Bewegung setzen, um noch die 60 Ztr. Koks zu bekommen. Sonst aber fühle ich mich in Neuhausen gar nicht mehr wie zu Hause, weil mich dort nicht meine liebsten Menschen, vor allem mein liebes Frauchen, erwarten. Auch sonst ist jetzt natürlich alles öder, da keine Teppiche usw. liegen. Itel hat sich im Wohnzimmer die alten dunklen Gardinen und den alten Store angemacht, es sieht einigermaßen aus. Wie freute ich mich, als ich „zu Hause" angekommen bin, 2 Briefe von Dir vorfand, und wie freute ich mich erst, als ich las, dass ihr eine Wohnung bekommen habt. Ich hoffe doch, dass es euch da besser gefallen wird, vor allem, dass ihr es warm habt. Jetzt, am 6. 1. 45, werdet ihr euch schon einigermaßen eingerichtet haben. -- Der Königsberger Sender schweigt, soeben rief die Vermitt­lung an, dass wahrscheinlich mit Alarm zu rechnen ist. Doch bis dahin schreibe ich weiter. - Du musst mir genau schreiben, wie ihr das alles erreicht habt, welche Öfen vorhanden sind, ob elekt­rische Kochgelegenheit vorhanden ist, wie groß die Zimmer sind, ob Toilette da ist usw. So man­ches Mal musste ich an die bisherige Wohnung mit den mangelhaften und kalten Toiletten den­ken, die ihr benutzen musstet. Ich freue mich ja auch so sehr, dass ihr noch vor der schlimmsten Kältezeit da raus gekommen seid. Hoffentlich hast Du Dich nicht dabei wieder zu sehr ange­strengt und Dich vielleicht erkältet. Wie gefällt es unseren Kindern da? Jetzt wird auch das zur Schule gehen Freude machen. Dorchen wird auch vor dem großen Hund bei Bons Mühle (?) keine Angst mehr zu haben brauchen. -- Bin soeben vom Maschinengewehrstützpunkt zurück­gekommen, bald ist es 23^00^ Uhr. Diese Hunde haben uns wieder rausgescheucht. -- Ja, Mutti­lein, liebes, nun macht es euch so gemütlich als nur irgend möglich in der neuen Wohnung. Ist der Schrank und die Kisten mit den Kartoffeln schon angekommen? Jetzt würdet ihr den Schrank gut gebrauchen können. Wie werdet ihr Halina unterbringen? Und jetzt wird mein Frauchen auch hin und wieder ins Kino gehen, jetzt sind es nur ein paar Schritte dahin. Wo ist richtig nun der Hauseingang, da durch das Tor vom Landratsamtgarten? Ich freue mich schon auf Deine nächsten Briefe, mein Puttichen und verbleibe mit einem herzlichen Kuss

Dein Gustav

Haben die Jungs und Dorchen tüchtig beim Umzug geholfen? Was sagt Eddalein dazu? Schönen Gruß vom Papi

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.