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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 57

Datum: 07. Januar 1945
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Ich habe mein Schlüsselbund im Büro gelassen und kann nicht an meinen Schreibtisch ran. Da muss also Behelfspapier ran. Mir ist auch ganz wohl und zufrieden zu Mute, nachdem ich weiß, dass ihr endlich auch gemütlich wohnt. Ach, mein Frauchen, ich freue mich sehr mit euch, dass ihr endlich ein vernünftiges Unterkommen habt. Dass Du mir nie etwas von der Ratten­plage geschrieben hast; das muss ja toll (negativ gemeint -- UL) gewesen sein. Was mag der Ba­cher sagen, dass Du plötzlich verschwunden bist? Mein Puttichen, mein liebes, ich wünsche Dir in der Wohnung recht viel Glück mit unseren Kindern. Mache Dir nun das Leben recht be­quem. Besuch auch oft das Kino und sei ein bisschen fröhlich, dann werde ich mich mit Dir freuen, sobald du mir's schreibst. Mit der Halina in der Küche zusammen mit Frau Mahnke aber, glaube ich, wird es nicht lange gut gehen. Wenn man auch keinen Zank will, aber es soll auch nicht so sein, dass die Frau Mahnke Dir die Halina verärgert und diese nachher keine Lust mehr zum Arbeiten hat. Da musst Du schon ein bisschen aufpassen.

Der Frau Heinke bestelle doch einen schönen Gruß von mir. Ich lasse ihr sehr danken, dass sie mit Dir mitgefühlt hat und sofort bereit war, Dir zu helfen. Mir sind solche Menschen 10× lieber, als so genannte bessere (?) Leute, die kalt und ohne Mitgefühl sind.

Hast Du auch nicht vergessen den Herd abzubauen? Der muss schon unbedingt mit. Waren genügend Leute und Fuhrwerke zur Verfügung. Wie kamst Du mit Sabinchen hin? Jetzt wohnt ihr also bald wieder mit Hilbrichs zusammen. Willst du nun nicht auch die Kiste von Bruß rüberholen? Dann wirst Du jetzt oft ins Kino gehen und mir schreiben, was Du gesehen hast. Lass Dich aber nicht zu viel anpoussieren. Ich kann mir denken, dass sich so mancher an mein hübsches Frauchen ranmachen möchte.

Heute habe ich von meiner Schwiegermutter ein Paket mit frischer Wurst (Grützwurst, Le­berwurst, Griebchen und Sülze) erhalten. Ist das noch nichts? Ich glaube, ich habe mein Frau­chen jetzt auf den 2. Platz bei Muttern verwiesen. Werde mich gleich bedanken, damit die Mutter nicht schlecht von ihrem Schwiegersohn denkt. Und dann, schimpfe nicht, Muttilein, über die jetzt kommende Frage, die Du dumm nennen wirst: Der Vater hat doch am 4. 1. Ge­burtstag. Und wann die Mutter? Mit Dir zusammen oder mit Gustav? Vater werde ich zum Geburtstag gratulieren, das dürfte hinhauen.

Und nun recht herzliche Grüße, Dir, mein liebes Frauchen, von

Deinem Gustav

Schönen Gruß den Jungs und Mädels. Wie gefällt der Eddamaus die neue Wohnung? Und wie schön wird es jetzt unser Sabinchen haben.

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.