Die Briefe von Gustav Lörzer
Brief 58
Datum: 03. Januar 1945
Ort: Heiligenbeil [1]
Mein liebes Frauchen!
Für Deine lieben Briefe vom 4. u. 5. 1. vielen Dank. Wie ich mich
freue, wenn mein Frauchen lustig und fidel ist. Glaubst Du, ich las
aus Deinen früheren Briefen nicht heraus, dass Dir die Tränen im Halse
saßen? Nun aber merke ich doch wie froh mein Frauchen ist, und da
freue ich mich wirklich über Deine Unternehmungslust. Ich möchte bei
Dir sein, Frauchen, da brauchst Du gar nicht zu fragen, ob ich Dein
Bett mit Dir teilen möchte. Nur zu gerne möchte ich das, ich möchte
mich zu gerne von meinem Frauchen liebhaben lassen, so ganz, dass man
alles andere vergessen kann (nur die Vorsicht nicht). Würden wir da
wohl auch ans Schlafen denken? Ich glaube kaum. Immer wieder muss ich
Deine lieben Zeilen lesen, dass Du mich ganz toll liebhaben willst und
dass Du Dich nach mir bangst. Gar nicht vorstellen darf ich es mir,
wie schön das Wiedersehen sein wird, sonst -- na Du weißt schon, was
dann ist. Wir werden uns gewiss ganz toll liebhaben, schön wie nie
wird das sein, ich denke mir das so, dass wir versuchen, überhaupt
nicht mit der Liebe aufzuhören -- bis zum Aufstehen. Frech von Deinem
Mann, was Puttilein? Doch warum soll man sich nicht alles Liebe sagen.
Ich glaube unseren Briefen nie so sehnsüchtig und unternehmungslustig
wie gerade in diesen Tagen. Wie könnte man sich nur einmal ganz für
sich haben und wenn es nur für eine Stunde wäre? -- Über mir rumort
der olle v. Plathen, der, trotzdem es vom Luftgaukommando verboten
ist, doch seine Frau hier hat, die Mutter der Frau Fischer. Na, wir
werden uns schon wiedersehen, mein liebes Frauchen, und dann holen wir
alles nach.
Vorhin habe ich ein kleines Päckchen fertiggemacht, mit ein paar
Weihnachtskuchen, Bonbons (diesmal schlechtere) und Drops. Leider weiß
man immer nicht, was man einpacken soll. Nun rückt auch Dein
Geburtstag immer näher, und ich stehe mit vollkommen leeren Händen da.
Nichts, rein gar nichts habe ich für mein liebes Frauchen. Was soll
das nur werden. Ja, wenn man sich an dem Tage selbst treffen könnte,
dann brauchte ich mir keine Gedanken zu machen. Doch daran, an solche
unerfüllbaren Wünsche, soll man nicht denken. Auch Reini, Eddalein und
Uli und Joachim haben nun immer einer nach dem anderen Geburtstag. Was
machen die Urkunden für Sabinchen? Eine muss ich ja auch fürs
Finanzamt zur Beantragung der Kinderbeihilfe haben. Wegen Joachims
Schreibhilfe habe ich bisher auch noch nichts angemeldet. Morgen oder
übermorgen werde ich auch wieder die Beiträge alle abschicken.
Ich grüße Dich herzlich, mein Frauchen, und wünschte ich könnte Dich
ganz toll abküssen
Gustav
Grüße die Kinderlein alle vom Papi. Was macht die kleine schwarze
Hummel?