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Die Briefe von Gustav Lörzer

Brief 63

Datum: 18. Januar 1945
Ort: Heiligenbeil [1]

Mein liebes Frauchen!

Vorgestern auch gestern habe ich Dir keinen Brief geschrieben. Ich weiß auch nicht einmal, ob ich Post von dir habe. Das werde ich erst jetzt feststellen, wenn ich ins Büro gehe. Ich schreibe jetzt nur ganz schnell ein paar Zeilen morgens vor dem Dienst. Soeben erst bin ich von Elbing zurückgekommen. Vorgestern Abend fuhr ich hin und hoffte, gestern Mittag zurück zu sein, aber keine Möglichkeit. Von mittags bis abends 21^12^ Uhr ging kein Zug. Und dann waren wir um 1^00^ Uhr nachts erst in Braunsberg, weiter ging's nicht. Bis 5^45^ Uhr habe ich im Wartesaal gesessen, mit allem Volk dicht gedrängt voll und gefroren. Im Zug bis Heiligenbeil war es auch eisig kalt. Man schimpft dann wie ein Rohrspatz, aber tröstet sich damit, dass es die armen Landser im Graben vorn ja viel viel schlechter haben..

Heute Abend einen langen Brief. Herzlichen Gruß

Gustav

Fussnoten

  1. Heiligenbeil, Ostpreussen, heutiger Name Mamonowo. 50km südwestlich von Kaliningrad, ehemals Königsberg.